Frankreich: Wie deutsche Unternehmen schneller und günstiger rekrutieren können

 
 
 

In Frankreich läuft ein großer Teil des Recruitings unter dem Radar. Während deutsche Unternehmen auf strukturierte Stellenausschreibungen setzen, funktioniert der französische Arbeitsmarkt oft über persönliche Netzwerke, Empfehlungen und Direktansprache, ohne klassische Anzeige. Wir zeigen wir, wie Sie als deutsches Unternehmen in Frankreich diskret und effektiv rekrutieren können, ganz ohne Stellenanzeige.





1. Warum Recruiting ohne Stellenanzeige?

In Frankreich ist das Recruiting ohne öffentliche Stellenausschreibung keine Ausnahme, sondern weit verbreitete Realität. Laut Resumly werden zwischen 50 % und 80 % der Stellen in Frankreich über den „verdeckten Arbeitsmarkt“ vergeben – also ohne dass eine offizielle Anzeige veröffentlicht wird. Noch konkreter: Im Jahr 2025 wurden laut Le Point 57 % aller Neueinstellungen in Frankreich ohne Stellenausschreibung durchgeführt – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren (53 bzw. 51 %).

Warum setzen französische Unternehmen so stark auf diskretes Recruiting? Dafür gibt es mehrere konkrete Gründe:

  • Diskretion: Besonders bei strategischen Positionen oder Nachfolgeregelungen wollen Unternehmen keine öffentliche Aufmerksamkeit erzeugen.
  • Zeit- und Kostenersparnis: Eine klassische Anzeige zieht durchschnittlich über 90 Bewerbungen an, wie SmartRecruiters zeigt. Das bedeutet hohen Verwaltungsaufwand, den viele Firmen vermeiden wollen.
  • Beziehungsorientierung: In Frankreich zählen persönliche Netzwerke und Empfehlungen oft mehr als formale Verfahren. Vertrauen und „réseaux“ spielen eine zentrale Rolle bei der Besetzung von Positionen – besonders in kleinen und mittleren Unternehmen.

Hinzu kommt ein kultureller Aspekt: Während der deutsche Arbeitsmarkt stark strukturiert ist und auf Transparenz setzt, funktioniert der französische Markt oft informell, über persönliche Kanäle. Laut France Travail liegt der Fokus bei vielen Bewerber:innen auf Initiativbewerbungen, Empfehlungen und Direktkontakten.

Wer als deutsches Unternehmen in Frankreich rekrutieren will, sollte diese Realität des Marktes verstehen und sich strategisch anpassen: Mit dem richtigen Netzwerk, gezielter Direktansprache und lokalem Know-how ist es möglich, die besten Talente zu gewinnen – ohne je eine Anzeige zu schalten.



2. Welche Methoden funktionieren in Frankreich?

Frankreich hat seine eigenen, oft diskreten und beziehungsbasierten Wege des Recruitings entwickelt – besonders auf dem „verdeckten Arbeitsmarkt“. Wer in Frankreich rekrutieren möchte, ohne auf eine klassische Anzeige zurückzugreifen, sollte die bewährten lokalen Methoden kennen.

Eine zentrale Rolle spielt die Initiativbewerbung. Laut einer Studie der APEC führen über 25 % der Initiativbewerbungen in Frankreich zu einem Vorstellungsgespräch – eine außergewöhnlich hohe Quote im europäischen Vergleich. Französische Kandidat:innen sind daran gewöhnt, sich proaktiv bei Unternehmen zu melden, ohne auf offene Ausschreibungen zu warten.

Zweitens: Netzwerke und Empfehlungen. Das persönliche Netzwerk – ob über Alumni, frühere Kollegen oder berufliche Kontakte – ist ein mächtiges Werkzeug. Eine Analyse der Université Paris-Saclay zeigt, dass über 40 % der Unternehmen in Frankreich aktiv auf Netzwerke zurückgreifen, um Stellen zu besetzen. Besonders Absolventen von Grandes Écoles wie HEC, Sciences Po oder Polytechnique pflegen exklusive Verbindungen, die oft direkte Karrierewege eröffnen.

Auch digitale Plattformen wie LinkedIn oder das französische Netzwerk Viadeo ermöglichen das direkte Ansprechen passiver Talente. Viele französische Unternehmen arbeiten zudem mit Recruiting-Agenturen oder Headhuntern, die diskret und vertraulich operieren – insbesondere bei strategischen oder sensiblen Positionen. Der Markt dafür ist etabliert, mit spezialisierten Anbietern wie Eurojob Consulting oder Connexion-Emploi, die auf den deutsch-französischen Raum fokussiert sind.

Schließlich zeigt eine Analyse von Resumly, dass bis zu 80 % aller Stellen über verdeckte Kanäle vergeben werden – was bedeutet: Wer nicht aktiv sucht, bleibt außen vor.

Erfolgreiches Recruiting in Frankreich ohne Anzeige setzt auf Initiative, Netzwerk, Direktansprache und kulturelle Feinfühligkeit – alles andere ist ineffizient oder schlicht wirkungslos.





3. Die Macht der Netzwerke in Frankreich


"In Frankreich ist das berufliche Netzwerk (le réseau) nicht nur ein nützliches Werkzeug, sondern eine zentrale Säule des Arbeitsmarktes."

Susanne Goniak
Senior Recruiter
Eurojob-Consulting

SGoniak


Wer dort erfolgreich rekrutieren will – besonders ohne öffentliche Stellenausschreibung – muss verstehen, wie tief Netzwerklogiken in der französischen Unternehmenskultur verankert sind.

Eine Studie von INSEE zeigt, dass fast 50 % der Neueinstellungen in Frankreich über persönliche oder berufliche Netzwerke erfolgen – sei es durch Empfehlungen, interne Kontakte oder ehemalige Kollegen. In bestimmten Regionen oder Branchen, wie z. B. der Tech‑ oder Beratungsbranche, liegt dieser Wert sogar noch höher.

Ein Beispiel dafür ist der Einfluss der Alumni‑Netzwerke sogenannter Grandes Écoles wie HEC Paris, Sciences Po oder École Polytechnique. Diese Schulen unterhalten exklusive, sehr aktive Netzwerke, über die oft hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte vermittelt werden – nicht selten ohne öffentliche Ausschreibung.

Auch digitale Plattformen spielen eine wachsende Rolle. Netzwerke wie LinkedIn oder das französische Welcome to the Jungle helfen Unternehmen, Kontakte zu knüpfen und aktiv Talente anzusprechen. In vielen Fällen genügt ein persönlicher Kontakt, eine Nachricht oder eine Empfehlung, um eine Position zu besetzen.

Darüber hinaus existieren zahlreiche französischsprachige Online-Communities und Facebook‑Gruppen wie „Jobs à Paris“, „Français à Berlin“ oder „Franco-Allemands“ – wertvolle Quellen für Direktkontakte und Empfehlungen. Auch wirtschaftliche Netzwerke wie MEDEF bietet Zugang zu professionellen Communities und Kandidatenpools.

Für deutsche Unternehmen ergibt sich daraus eine klare Strategie: Wer in Frankreich rekrutieren will, muss Beziehungen pflegen, Netzwerke aktivieren und Empfehlungen systematisch nutzen. Eine klassische Ausschreibung reicht selten aus – die besten Talente sind oft nur über den „réseau“ erreichbar.


4. Vorteile für deutsche Unternehmen

Für deutsche Unternehmen, die in Frankreich rekrutieren wollen, bietet der Verzicht auf klassische Stellenausschreibungen klare strategische Vorteile – insbesondere im Wettbewerb um seltene oder hochqualifizierte Talente.

Erstens: Der Zugang zum sogenannten „verdeckten Arbeitsmarkt“ ermöglicht es, qualifizierte Kandidat:innen zu erreichen, die nicht aktiv suchen, aber offen für Angebote sind. Studien zeigen, dass viele dieser Profile nicht auf Jobplattformen erscheinen, sondern über persönliche Kontakte, Empfehlungen oder Direktansprache gewonnen werden. Laut Remofirst zählen französische Arbeitskräfte zu den beliebtesten bei deutschen Unternehmen – insbesondere wegen ihrer starken Ausbildung, Sprachkompetenz und kulturellen Nähe.

Zweitens: Das Recruiting ohne Anzeige spart Kosten und beschleunigt den Prozess. Eine öffentliche Ausschreibung zieht laut SmartRecruiters im Schnitt über 90 Bewerbungen an – mit entsprechend hohem Verwaltungsaufwand. Durch den direkten Zugang über Netzwerke, Empfehlungen oder gezieltes Sourcing können Zeit und Ressourcen eingespart werden, besonders für KMU ohne große HR‑Abteilung.

Drittens: Die Methode ist effizienter bei sensiblen oder strategischen Positionen. Unternehmen wie Air Liquide oder Bosch France nutzen diskrete Rekrutierungswege, wenn es um Managementrollen, Innovationsprojekte oder Markteintritte geht. So vermeiden sie Aufmerksamkeit bei der Konkurrenz und können gleichzeitig hochqualifizierte Fachkräfte gezielt ansprechen.

Viertens: Französische Kandidat:innen bringen oft interkulturelle Kompetenz mit, was für grenzüberschreitende Projekte, Exporte oder deutsch-französische Teams entscheidend ist. Laut einer Analyse des IAB ist die Zusammenarbeit im grenznahen Raum – etwa in der Région Grand Est oder im Saarland – besonders fruchtbar, wenn Unternehmen Kandidaten mit beidseitigem Verständnis für Sprache und Geschäftskultur finden.

Fünftens: Der diskrete Zugang zu Talenten stärkt langfristig auch die Arbeitgebermarke („employer branding“). Wer nicht mit anderen Unternehmen um öffentliche Aufmerksamkeit buhlen muss, sondern durch gezielte Kontakte und Empfehlungen rekrutiert, wird als attraktiver, seriöser und effizienter wahrgenommen. Dies stärkt auch die Bindung und Loyalität zukünftiger Mitarbeitender.

Für deutsche Unternehmen, die Frankreich als Markt oder Standort erschließen wollen, ist das Recruiting ohne Anzeige nicht nur eine Alternative, sondern ein klarer Wettbewerbsvorteil – vorausgesetzt, sie kennen und nutzen die richtigen Kanäle.


5. Praktische Tipps für diskretes Recruiting

Ein diskretes Recruiting in Frankreich erfordert mehr als nur den Verzicht auf eine Anzeige – es verlangt eine strukturierte, kulturell angepasste und netzwerkorientierte Strategie. Hier sind fünf konkrete, praxisnahe Tipps, wie deutsche Unternehmen französische Talente effektiv und diskret gewinnen können.

LinkedIn strategisch einsetzen

LinkedIn ist in Frankreich das wichtigste professionelle Netzwerk. Optimieren Sie sowohl Ihre Unternehmensseite als auch Ihre persönlichen Recruiter‑Profile: ein klarer Titel (z. B. „Recruteur franco‑allemand“), eine französische Beschreibung und regelmäßige Inhalte (z. B. Einblicke ins Unternehmen) erhöhen die Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit. Laut Recruitee wirkt sich dies direkt auf die Antwortrate potenzieller Kandidat:innen aus.

Talente direkt ansprechen – aber kultursensibel

In Frankreich reagieren viele Talente positiv auf eine personalisierte Ansprache in gutem Französisch. Nutzen Sie Filterfunktionen auf LinkedIn, um gezielt nach Region, Sprache und Erfahrungsniveau zu suchen. Laut Eurojob Consulting funktionieren besonders persönliche und höfliche Einladungen besser als standardisierte Nachrichten. Geben Sie einen klaren Kontext: Warum schreiben Sie genau diese Person an? Was macht Ihre Firma besonders?

Cooptation nutzen und incentivieren

Die Cooptation (Mitarbeiterempfehlung) ist in Frankreich ein verbreiteter und hoch effektiver Weg, neue Mitarbeiter zu finden. Richten Sie ein einfaches, digitales Cooptationsprogramm ein und kommunizieren Sie es intern aktiv. Laut Welcome to the Jungle nutzen weniger als 30 % der Unternehmen ihr volles Potenzial bei Mitarbeiterempfehlungen. Ein Bonusprogramm oder öffentliche Anerkennung können die Motivation deutlich steigern.

Alternative Plattformen und Communities erkunden

Neben LinkedIn gibt es spezialisierte französische Plattformen wie Welcome to the Jungle oder branchenspezifische Foren. In Facebook‑Gruppen wie „Jobs à Paris“ oder „Français à Berlin“ lassen sich häufig gezielt Kandidat:innen ansprechen. Auch Meetups bieten diskrete Gelegenheiten, Talente direkt zu treffen.

Mit spezialisierten Partnern zusammenarbeiten

Gerade bei Schlüsselpositionen oder bilingualen Profilen lohnt es sich, mit Recruiting-Partnern zu arbeiten, die den französischen Markt gut kennen. Plattformen wie Connexion-Emploi oder Eurojob Consulting sind auf den deutsch-französischen Talentmarkt spezialisiert und können gezielt Kontakte herstellen – vertraulich und effizient.

Diskretes Recruiting in Frankreich erfordert strategische Klarheit, sprachliche und kulturelle Sensibilität sowie ein aktives Netzwerkmanagement. Wer diese Regeln beherrscht, kann auf dem „marché caché“ genau die Talente finden, die er braucht – ohne eine einzige Anzeige zu schalten.

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Olivier

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